Notdienst 365 / 24 Std.
Notdienst 365 / 24 Std.

Fachbegriffs-Lexikon

Bruxismus

Bruxismus nennt man die wiederkehrende, meist unwillkürliche Aktivität von Kaumuskeln: Kieferpressen und Zähneknirschen, aber auch Anspannen oder Verschieben des Unterkiefers ohne Zahnkontakt. Es gibt Schlaf- und Wachbruxismus. Spricht der Zahnarzt von einem primären Bruxismus, kann er keine unmittelbare Ursache erkennen. Als Begleiterscheinung von Krankheiten wie Epilepsie, schweren Schlafstörungen oder nächtlichen Atemaussetzern (Schlafapnoe) kann sogenannter sekundärer Bruxismus auftreten.

Man geht davon aus, dass sich Zähneknirschen oder Zähnepressen in der Menschheitsgeschichte als eine körperliche Funktion zum kurzfristigen Abbau von Stress entwickelt hat. Man beißt sprichwörtlich die Zähne zusammen. Wenn dies jedoch zum Dauerzustand wird, können die Zähne leiden und schwerwiegende Verspannungen auftreten.

 

Was sind Folgen von Bruxismus?

 

Zähneknirschen und Zähnepressen kann massive Schäden am Zahnschmelz verursachen. Füllungen, Kronen oder anderer Zahnersatz können beschädigt werden oder herausbrechen. Der Druck ist oftmals enorm, bis zu zehnmal stärker als beim Kauen. Dies kann außerdem zu Verspannungen, Kopf- und Gesichtsschmerzen, sogar zu Rückenproblemen oder Tinnitus führen.

Als weitere Folgen können sich Zahnfleisch und Zahnhalteapparat entzünden. Dann werden Zähne locker und fallen schlimmstenfalls aus. Wenn Frontzähne deutlich abgeschliffen sind oder die Eckzähne keine Höcker mehr haben, spricht man von einem Abrasionsgebiss. Patienten mit Bruxismus zeigen oftmals Symptome einer craniomandibulären Dysfunktion (CMD); einer Störung im Kausystem.

 

Wer ist von Bruxismus betroffen?

 

Die allermeisten Menschen knirschen im Lauf ihres Lebens stressbedingt mit den Zähnen. Normalerweise bleibt das auf eine kurze Zeit begrenzt. Nur bei rund einem Fünftel der Patienten entwickelt sich daraus ein dauerhaftes Problem. Als Ursachen für Bruxismus werden neben mentalen Belastungen vor allem Fehlstellungen am Kiefergelenk (craniomandibuläre Dysfunktion - CMD) genannt. Aber auch Krankheiten, Reflux (Rückfluss von Magensäure in die Speiseröhre), schwere Schlafstörungen oder dopaminhaltige Medikamente können Auslöser sein.

Jüngere Kinder knirschen oftmals nachts mit den Zähnen. Wenn Knochen und Muskulatur schubweise wachsen, stehen manchmal einzelne Zähne oder Zahngruppen ungünstig zueinander. Was stört, wird quasi eingeschliffen. Erscheinend die bleibenden Zähne, sollte das Zähneknirschen allerdings aufhören. Andernfalls können Schäden entstehen.

 

Was sind Anzeichen für Bruxismus?

 

Oft wissen die Betroffenen selbst nicht, dass Sie mit den Zähnen knirschen, das Kiefer unbewusst anspannen oder verschieben. Meist zeigt sich erst bei einer zahnärztlichen Routine-Untersuchung, dass die Zähne Schleifspuren oder Schäden aufweisen.

Anzeichen für Bruxismus können auch Biss-Spuren in Zunge oder Wangenschleimhaut sein. Vergrößerte und druckempfindliche Kaumuskeln, Schmerzen beim Kauen oder eine reduzierte Kieferöffnung sind ebenfalls Alarmsignale.

 

Was kann man gegen Bruxismus tun?

 

In einem ersten Schritt passt der Zahnarzt üblicherweise eine dünne Aufbissschiene (Okklusionsschiene) aus Kunststoff an. Die trägt man normalerweise nachts über einige Monate. Weitere Schäden an den Zähnen werden verhindert und die Kaumuskulatur etwas entspannt.

Bruxismus wird schwerpunktmäßig durch Stress ausgelöst. Daher helfen vielfach individuelle Entspannungs- und Stressbewältigungsmaßnahmen. Das beginnt bei Musik, Sport oder Meditation und geht bis zu Progressiver Muskelentspannung nach Jacobson.

Wenn Patienten während des Tages mit den Zähnen knirschen, können sie Techniken aus der Verhaltenstherapie nutzen. Hilfreich sind beispielsweise farbige Punkte oder Smileys auf Gegenständen, die man häufig ansieht. Fällt der Blick darauf, kann man aktiv den Kiefer entspannen. Idealerweise haben die Zähne von Ober- und Unterkiefer bei geschlossenem Mund keinen Kontakt.

Alkohol, Koffein und Rauchen verstärken das nächtliche Knirschen. Kaugummi-Kauen belastet Kiefermuskulatur und -gelenke.  Darauf sollte man also besser verzichten.

 

 

Zurück