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Reden wir mal über Wurzelbehandlung

Lesedauer: 4 Minuten

Über Wurzelbehandlungen kursieren Horrorgeschichten. Dabei ist im Normalfall nur die Entzündung im Wurzelkanal schmerzhaft, nicht die Behandlung. Unser Experte klärt die Hintergründe - kurz und schmerzlos.

Wie kommt es eigentlich zu einer Wurzelentzündung?

Dr. Johannes Stemmann: „Jeder Zahn besitzt einen Zahnnerv mit Blut- und Lymphgefäßen; die Pulpa. Sie tritt an den Wurzelspitzen in den Zahn ein und reicht bis nach oben in die Zahnkrone. Dieses lebendige Gewebe ist für Reizwahrnehmungen wie Kälte oder Druck zuständig, außerdem für die Immunabwehr. Ein Unfall oder eine tiefe Karies können zum Absterben der Pulpa führen. Dann besiedeln Bakterien aus dem Speichel den Hohlraum. Dieser Prozess kann (muss aber nicht!) mit starken, oft plötzlich auftretenden Schmerzen einhergehen. So sind wohl die Schreckensgeschichten über Wurzelentzündungen entstanden. Aber keine Sorge, in den allermeisten Fällen lassen sich auch stark entzündete Zähne gut betäuben. Im Zahninneren haben die Bakterien alles, was sie zur Vermehrung brauchen. Da kommt keine Zahnbürste hin. Das körpereigene Immunsystem hat keinen Zugriff mehr, weil im übertragenen Sinne die Zufahrtsstraße abgeschnitten ist. Schließlich kommt es zu einer Entzündung im Knochen, der die Wurzelspitze umgibt. Im schlimmsten Fall bilden sich Abszesse mit einer Tendenz, sich auszubreiten. Das kann ernsthafte gesundheitliche Komplikationen verursachen!"

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Und wie behandelt man das?

Dr. Johannes Stemmann: „Eine Wurzelkanalbehandlung hat zwei Aufgaben. Erstens muss das Zahninnere möglichst von allen Bakterien befreit werden. Zweitens muss das gesamte Wurzelkanalsystem am Ende bakteriendicht verschlossen sein. Auf diese Weise wird das Bakterienreservoir im Zahninneren eliminiert und es kommen keine Bakterien mehr aus dem Zahn. Somit kann der Knochen heilen. Wurzelkanalbehandlungen sind komplex. Der Wurzelkanal wird maschinell gesäubert, mit einer antibakteriellen Lösung gespült, danach vollständig gefüllt. Nicht selten geht es um feinste Strukturen im Mikrometerbereich. Obwohl diese sehr klein sind, bieten sie unbehandelt Platz für Millionen von Bakterien. Wird nur das Geringste übersehen, kann das zum Scheitern der Behandlung führen. Die besten Aussichten bietet daher die Wurzelkanalbehandlung unter dem OP-Mikroskop. Wir sagen "Mikro-Endo".“

Warum wird ein wurzelbehandelter Zahn überkront?

Dr. Johannes Stemmann: „Zum Abschluss einer Wurzelbehandlung muss der Zahn verschlossen und stabilisiert werden. Das erfolgt mittels einer Komposit-Füllung. Gegebenenfalls wird vorher noch ein Glasfaserstift in den Zahn eingeklebt, der den Aufbau und die folgende Krone in der Wurzel verankert. Warum brauchen wir nun eine Krone? Das ist wichtig, da der Zahn in der Regel schon sehr stark zerstört ist und aufgrund der großen Verluste an Zahnhartsubstanz einfach nicht mehr so stabil wie ein gesunder Zahn ist. Zusätzlich spürt man durch das Fehlen des Zahnnerven erst viel später, wenn man auf etwas Hartes beißt. Das ist natürlich keine gute Kombination und kann zur Längsfraktur und damit unweigerlich zum Verlust des Zahnes führen. Für den langfristigen Zahnerhalt brauchen wir also unbedingt eine Krone, da diese die Kaukraft direkt auf die Wurzeln überleitet. Man kann sich diesen Effekt wie bei einem Holzfass vorstellen, das durch die Metallreifen zusammengehalten wird. Ein überkronter wurzelkanalbehandelter Zahn hat wieder eine gute Langzeitprognose!“

Unser Endodontie-Experte

Übersicht Wurzelkanalbehandlungen

Entstehung einer Wurzelentzündung:

  • Jeder Zahn hat einen Zahnnerv (Pulpa), der für Reizwahrnehmungen und Immunabwehr zuständig ist.
  • Unfall oder tiefe Karies können zum Absterben der Pulpa führen.
  • Bakterien besiedeln den Hohlraum und können zu starken Schmerzen führen.
  • Bakterienvermehrung im Zahninneren, kein Zugriff des Immunsystems, Entzündung im umliegenden Knochen.

Behandlung:

  • Wurzelkanalbehandlung hat zwei Aufgaben: Reinigung von Bakterien und Verschluss des Wurzelkanalsystems.
  • Komplexer Prozess, der oft unter einem OP-Mikroskop durchgeführt wird (Mikro-Endo).
  • Abschluss mit Komposit-Füllung und möglicher Krone zur Stabilisierung des Zahns

Warum eine Krone?

  • Notwendig, um den Zahn zu stabilisieren und Frakturen vorzubeugen.
  • Durch das Fehlen des Zahnnervs spürt man harte Gegenstände erst spät, was zu Schäden führen kann.
  • Krone leitet Kaukraft auf die Wurzeln und verbessert die Langzeitprognose des Zahns.

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Leiter Endodontie Nord

Dr. Johannes Stemmann

  • Studium Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
  • Behandlungsschwerpunkte Mikroskopische Wurzelkanalbehandlung (Endodontie), Erneuerung alter Wurzelfüllungen (Revision), Zahntraumata & Zahnhalsresorptionen
  • Weiterbildungen Masterstudiengang Endodontologie, DDA (Dental Academy Düsseldorf), Curriculum Endodontie der DGET (Deutsche Gesellschaft für Endodontologie und Traumatologie e.V.), DVT-Fachkunde
  • Besonderheiten Zertifiziertes Mitglied und Listung als „empfohlener Behandler“ der DGET, Referent im Freiburger Curriculum Endodontie des FFZ 2022/23
  • Mitgliedschaften DGET (Deutsche Gesellschaft für Endodontologie und zahnärztliche Traumatologie e.V.), DGZ (Deutsche Gesellschaft für Zahnerhaltung), DGZMK (Deutsche Gesellschaft für Zahn- Mund- und Kieferheilkunde)
  • Behandlungssprachen Deutsch & Englisch